Carbon Capture

Carbon Capture im Test – auf dem Weg zu mehr Kreislaufwirtschaft?

Infraserv startet im Industriepark Höchst einen Pilotversuch zur Abscheidung von CO2, das bei industriellen Prozessen anfällt. Ziel ist herauszufinden, wie effizient und wirtschaftlich sich die Trennung von CO2 bei Verbrennungsanlagen im großen Stil bewerkstelligen lässt.

„Carbon Capture and Utilization (CCU)” nennt sich das Verfahren, CO2 aus industriellen Prozessen oder der Atmosphäre aufzufangen und dann für die Herstellung neuer Produkte zu nutzen.

Infraserv hat sich mit der in Düsseldorf ansässigen und international agierenden GEA Group und deren Tochter GEA Wiegand zusammengetan, um das Potenzial des Carbon-Capture-Verfahrens im Industriepark Höchst zu erforschen. Dazu stellt GEA Anfang April 2025 eine Carbon-Capture-Pilotanlage auf und verbindet diese mit der KVA-Anlage. Angeliefert wird die Pilotanlage in einem Container (6,0 m x 2,4 m x 10,0 m), den Infraserv für einen Zeitraum von drei Monaten auf Herz und Nieren testen will.

„Um perspektivisch eine eigene, große Carbon-Capture-Anlage im Industriepark Höchst zu bauen, sind Pilotanlagen an der KVA und möglicherweise auch weiteren Anlagen unerlässlich, um dieses Verfahren zu testen, besser zu verstehen und notwendige Daten zu sammeln.“

Dr. Joachim Kreysing, Geschäftsführer Infraserv Höchst

Grüner Wasserstoff und Strom im Fokus

Infraserv wählte für den Einsatz der Carbon-Capture-Anlage ganz bewusst die KVA, weil das Unternehmen künftig Start-ups mit biogenem CO₂ beliefern möchte, die in ihren Synthesen kohlenstoffarme Energien einsetzen, wie z. B. grünen Wasserstoff und Strom. Eine weitere mögliche Anlage für Carbon Capture mit biogenem Anteil am Standort ist die Ersatzbrennstoff-Verbrennungsanlage.

Wie erfolgt die CO2-Trennung in der Pilotanlage?

Zunächst zapft man am Kamin der KVA den Strom des Rauchgases an und leitet ihn in die Pilotanlage ein. Bei der CO₂-Abscheidung mit Aminen wird das CO₂ aus den Rauchgasen herausgewaschen. Ein Amin-Wasser-Gemisch nimmt das CO2 auf. Durch Erhitzung wird dieses freigesetzt und anschließend wieder gesammelt. Im Folgenden lässt sich das abgetrennte CO2 auf seine Reinheit überprüfen und liefert weitere Daten zum Abscheidungsprozess.

Pilotanlage im Rahmen eines EU-Projekts

Infraserv sieht Carbon Capture als einen weiteren Schritt auf dem Weg zur nachhaltigeren Gestaltung industrieller Prozesse. Die Methode eignet sich dazu,

  • CO2-Emissionen weiter zu reduzieren
  • Abfall zu vermeiden
  • fossile Ressourcen zu schonen
  • Kreislaufwirtschaftskonzepte zu realisieren

Gefördert und teilweise finanziert wird die Pilotanlage vom EU-Projekt IS2H4C (From Industrial Symbiosis to Hubs for Circularity). Dieses stellt den Einsatz systemischer industrieller Symbiosen durch innovative Technologien wie Kohlenstoffabscheidung und Elektrolyse in den Mittelpunkt. Neben der CO₂-Abtrennung engagiert sich Infraserv Höchst im Rahmen des EU-Projekts auch in den Bereichen Methanol-Synthese und Abwärmenutzung.

Infraserv hat Erfahrung mit innovativer CO2-Nutzung

Für Infraserv ist Carbon Capture eine weitere interessante Technologie zur Abscheidung von CO2. Bereits seit einigen Jahren fängt das Unternehmen CO2 an der Biogasaufbereitungsanlage im Industriepark Höchst auf. Ab Sommer 2025 wird dieses an die Power-to-Liquid-Anlage von INERATEC weitergeleitet, um in Kombination mit Wasserstoff etwa synthetische Kraftstoffe wie Kerosin zu gewinnen. Auch in der Produktion von Chemikalien wie Methanol, Harnstoff und Polycarbonaten lässt sich das abgeschiedene CO2 einsetzen. In der Kunststoffherstellung wird CO2 in Polyurethane integriert und ermöglicht es so, fossile Rohstoffe zu ersetzen.

„Wir wollen die besten Voraussetzungen im Industriepark Höchst schaffen und unseren Kunden den Weg in Richtung Nachhaltigkeit ermöglichen – dazu gehören auch die Nutzungsmöglichkeiten von CO₂.“

Dr. Joachim Kreysing, Geschäftsführer Infraserv Höchst

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